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Fes ist die älteste der vier marokkanischen Königsstädte – das wird in jedem Bericht über Fes zuerst genannt und so soll es auch hier nicht unerwähnt bleiben 🙂

Leider schien in dem Königreich anfangs jedoch kein Platz für mich zu sein – obwohl ich gleich nach Ankunft am Flughafen wie vereinbart abgeholt und „königlich“ bis in mein gebuchtes Riad chauffiert wurde (oder zumindest bis zur Grenze der Altstadt, denn ab da können keine Autos mehr fahren).

Im Riad selbst eröffnete man mir dann allerdings, dass mein gebuchtes Zimmer nicht frei sei, da dort noch ein Kranker liege, und ein anderes Zimmer sei auch nicht frei… Alle Personen, die mich gut kennen, können wohl erahnen, welche Stimmung sich bei mir ausbreitete… 😉 Ja, ich war verärgert – und zwar sehr, denn in meiner Vorstellung sollte dieser erste Abend anders verlaufen. Ich hoffe (ohne es damit bezogen auf die eventuelle Person böse zu meinen) inständig, dass es diese kranke Person tatsächlich gegeben hat und dass ich – im Falle einer Erkrankung – irgendwann auch mal die Möglichkeit bekomme, länger als vereinbart in einem Zimmer verweilen zu dürfen…

Ich wurde also für eine Nacht in ein anderes Riad verfrachtet und der Besitzer des gebuchten Riads hatte auf dem Weg dahin nichts besseres zu tun, als mich immer wieder zu bitten, doch bitte zu lächeln…

Am nächsten Morgen hatte ich dann endlich einen Grund dazu 🙂 denn mein Frühstück nahm ich in dem eigentlich gebuchten Riad ein – bei Sonnenschein und in wohliger Wärme auf der Dachterrasse mit Blick auf die Stadt Fes – so war es von Anfang an geplant!!! Und so schön kann es in Fes sein 🙂

Den Tag verbrachte ich damit, mich wirr durch die Altstadt treiben zu lassen – abtauchen in den unzähligen Gassen und erst wieder auftauchen (und nach dem Weg fragen…), wenn man so gar keine Vorstellung mehr davon hat, wo man ungefähr sein könnte 😉 Herrlich!

Für den nächsten Tag stand eigentlich ein ähnliches Programm auf dem Plan – ergänzt um den Punkt, das jüdische Viertel, die Mellah, besuchen zu wollen. In diesem Kontext kam es dann auch zum 1:0 für die Einheimischen, denn ich habe mir (gegen Geld!)  zeigen lassen, wo es den besten Überblick üben den jüdischen Friedhof gibt und wo die Synagoge zu finden ist. Anschließend ging es dann aber wieder Guide-frei weiter 🙂 Die Synagoge war toll und der Herr, der sie mir zeigte, auch. Voller Stolz zeigte er mir alle Räumlichkeiten – darunter auch der Keller der Synagoge, in der sich ein altes Hammam / Bad für die Damen befand, und schickte mich aufs Dach, um erneut über den Friedhof blicken zu können.

Doch zunächst zurück zum Anfang des Tages… Ich verlies mein Riad zu einer durchaus „christlichen“ Zeit und wunderte mich darüber, dass noch so viele Läden verschlossen waren… Ich dachte an das „unbeschwerte“ Leben so vieler Länder, Öffnungszeiten, wann man möchte etc.. Auf meinem Weg in die Mellah vernahm ich bereits die ersten Stimmen über die fehlenden Busse und verstand endlich vor einem Museum, was das „Problem“ war: ein Generalstreik in ganz Marokko… Kein Wunder, dass kaum ein Laden geöffnet war. Kein Bus fuhr, nur sehr wenige Läden waren geöffnet, die Museen waren geschlossen etc. Zum Glück konnte ich trotz Streik einen Teil meines Geldes in einen neuen Ring eintauschen 😉

Es ist übrigens gar nicht so einfach, sich in der Medina, der Altstadt, zurechtzufinden, wenn die meisten Läden geschlossen sind und damit wichtige Orientierungspunkte fehlen… So lernte ich, mich an den praktischen Schildern zu orientieren, was vielleicht auch vorher schon recht schlau gewesen wäre 😉 Mehrere beschilderte Routen führen durch Fes und man muss eigentlich nur – pro Tour – der farblichen Markierung folgen, was allerdings auch schon eine Herausforderung ist… So bin ich die Tage hier in Fes fast alle Routen abgelaufen, bergauf und bergab, innerhalb und außerhalb der Medina. Ich hab die Stadt von oben und von innen gesehen und das ist das schöne an Fes – die Stadt ist sehr vielseitig.

Die Menschen sind es hier auch. Man kommt automatisch mit sehr vielen Menschen ins Gespräch. Teilweise sind es nur die Verkaufsgespräche, manchmal wurde mir aber auch spontan die halbe Lebensgeschichte erzählt, während ich mir einfach nur die Gewürze ansehen wollte. Sobald ich mich außerhalb der Medina befand wurde ich nicht selten darauf hingewiesen, dass ich unbedingt einen Guide benötige… Außerhalb sei es gefährlich etc. Mir ist nichts passiert und ich war auch nicht weit außerhalb der Altstadt, aber ich muss zugeben, ein paar komische Gestalten liefen da schon rum… Mehr als eine Städtetour würde ich in Marokko wohl eher nicht allein unternehmen.

Nun noch zu den Datteln:

Während des Hinfluges habe ich in dem Buch von Helge Timmerberg „Die Märchentante, der Sultan, mein Harem und ich“ gelesen 🙂 Unter anderem erklärt dort Endi Effendi, wie eine Dattel zu verzehren ist… Die Araber „essen die Dattel nicht einfach so und spucken den Kern aus, nein, sie lassen die Dattel im Mund, bis sie quillt. Sie ist ja unter irrsinniger Dehydrierung so klein und süß geworden. … Du schluckst immer nur das, was sich in Flüssigkeit verwandelt hat, herunter, und nach einiger Zeit fällt das süße Fleisch ab, und übrig bleibt der Kern.“

Ich wette, dass jede Person, die darüber hier oder in dem Buch von Timmerberg gelesen hat, die nächste Dattel so essen wird, wie Endi Effendi es beschrieben hat 🙂

Und nun werde ich mir auch noch ein paar Datteln kaufen – sofern ich einen geöffneten Laden finde, denn heute ist Freitag – ein Feiertag…

Himsberg zum Gruß